„Blaues Rauschen“ – am 14.10.2017 im Evinger Schloss – Festival von „analog zu digital“ – der Wandel der Strukturen

BLAUES RAUSCHEN – Festival 2017
– künstlerische Standortbestimmung im digitalen Zeitalter –

Blaues Rauschen“ ist zunächst eine thematische Zusammenführung von Konzerten und Performances. Experimentell, international, verwegen, unabhängig: so klingen die Aufführungen, die in Verbundenheit mit der regionalen Musik- und Kulturszene, sowie europäischen und internationalen Beteiligten, jungen und etablierten Künstler*innen eine Bühne abseits des Mainstreams eröffnen. Präsentiert werden schwerpunktmäßig Beiträge aus dem Spektrum von Elektronischer Musik, Neuer Musik, Klangkunst, Avantgarde Jazz, Noise, Postrock, Groove, House und Performance. Die Bühne dafür ist städteübergreifend aufgestellt, mobil und flexibel – als Kooperationsfestival mehrerer Standorte im Ruhrgebiet.

Zum Start im Herbst 2017 widmet sich das Festival Fragestellungen von Nutzen und Nachteilen der allgegenwärtigen digitalen Medientechnik. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der durch die technische Entwicklung hervorgebrachte Transformationsdynamik und ihre Relevanz für künstlerische Prozesse und Produkte.

Wie verändert Technik unser kreatives Handeln, unser „In-der-Welt-sein“?

Kunst und Gesellschaft haben in der Geschichte der Menschheit noch nie zuvor in so schnellen und immer enger werdenden Zyklen neue Techniken und damit verbundene Fähigkeiten entwickelt und wieder als veraltet der Bedeutungslosigkeit übergeben. Dabei muss sich mittlerweile eine Generation mehrfach auf neue oder veränderte Bedingungen einstellen, die sich durch Medientechniken etabliert haben. Diese Innovationszyklen machen das Wissen der „Älteren“ immer schneller obsolet und das Teilen einer gemeinsamen ästhetischen Erfahrungs- und Erlebniswelt wird immer schwieriger.
In der Off- und Avantgarde-Szene nimmt das Verhältnis von analog und digital schon lange einen großen Raum ein. Dabei werden die Bedeutungen und Friktionen, Informationen und Reibungen von Transformation thematisiert. Das Festival trägt bei zur Sichtbarmachung von künstlerischen Prozessen dieser Art und soll einen Ort der Begegnung, des Austauschs von Impulsen und der reflexiven Selbstbestimmung des eigenen künstlerischen Schaffens im digitalen Informationszeitalters sein.
Die hierfür gewonnenen/eingeladenen Künstler*innen und Formationen werden sich den Fragestellungen von ganz unterschiedlichen Perspektiven und Stilrichtungen her annähern und den Besucher*innen Möglichkeiten der kritischen Reflektion und Auseinandersetzung in Konzerten und Performances bieten.
Das Festival will insbesondere junge Menschen ansprechen und durch die Verzahnung der Lebenswelten von Menschen unterschiedlicher Generationen mit künstlerischen Prozessen zu mehr Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Themenfeld ‚Kunst, Performance und Digitalität’ beitragen. Im entsprechend ausgerichteten Workshop „dis.GUI.sed“ (GUI = Graphic User Interface) wird das Smartphone als selbstverständlich gewordener 2 Lebensbegleiter im Mittelpunkt stehen. Als kommunikative Brücke in die Welt eröffnet es spielerisch einfach den technischen Zugang zu eigenem, kreativem Handeln. Das Entdecken der vorgegebenen und versteckten Möglichkeiten einer Technik, z.B. „Circuit Bending“ oder „Device Hacking“, führt in neue technische Welten ein und regt zugleich die kritische Distanz zum digitalen Teil unserer Persönlichkeit an.
Ein Großteil der eingeladenen internationalen Künstler*innen werden im Anschluss daran und an den folgenden Festivaltagen ihre individuellen Herangehensweisen an die Erforschung, Transformation und Nutzung technischer Möglichkeiten vor dem Hintergrund künstlerischen Ausdrucks präsentieren und dabei unsere Perspektiven auf den Umgang mit Technologie, Wissen und Lebensalltäglichkeiten erweitern.
„Blaues Rauschen“ findet an insgesamt fünf Tagen statt und versteht sich als ein verbindendes Element in der polyzentralen Stadtregion des Ruhrgebiets. So wie mit dem seit 2002 in Essen, Bochum, Dortmund und Herne veranstalteten Festival »open systems«, möchten die Ausrichtenden die lokale Vernetzung der Kulturszene auch im Jahr 2017 und darüber hinaus weiter stärken und die Kooperationen ausbauen. Die Einbindung verschiedener Festivalorte im Ruhrgebiet ist ein wichtiges Zeichen für den andauernden Willen einer überregionalen Kulturpolitik.

© Thomas Schmidt, Stadt Herne

Veranstaltungsorte:

HERne
Freitag I 06. OKTober 2017 I 19.00 h
Samstag I 07. OKTober 2017 I 19.00 h
Sonntag I 08. OKTober 2017 I 19.00 h
Flottmann-Hallen I Herne
Workshop
Freitag I 06. OKTober 2017 I 10.00 h
Flottmann-Hallen I Herne

Essen
Donnerstag I 12. OKTober 2017 I 19.00 h
Goethebunker I Essen

DOrtmund
Samstag I 14. OKTober 2017 I 19.00 h
Schloss Eving I Dortmund

Auftretende Künstler im Evinger Schloss, Dortmund am 14.10.2017

NAMIA LEIGH wurde 1982 in Seoul, Korea geboren. Sie studierte Architektur in Seoul und später Kunst im Kontext-Institut an der Berliner Hochschule der Künste (UDK). Derzeit belegt sie den Masterstudiengang SPACE STRATEGY an der Kunstschule von Berlin. Sie stellte ihre Werke in Berlin and Potsdam (Deutschland), Valencia (Spanien), Sarajevo (BnH) und Oslo (Norwegen) aus.
Projektbeschreibung
Vertō i & ii (2016) ist ein stiller Dialog, der untereinander durch unähnliche visuelle Sprachen korrespondiert: Mit ‚Light and Drawing.‘ reinterprierte Leigh Disco-Musik im Rahmen von ‘Variation in Disco‘ als unerforschte Lichtmusik, welche aus einem flachen spiegelkugelförmigen Plattenspieler abgespielt wurde. Sie komponierte die Musik in dem für Disco-Songs üblichen Moderato-Tempo und benutzte die Erdfrequenz (7.83hz) um diese in Lichtimpulse umzuwandeln.
Verto.2 ist eine weitere Form der Übersetzung von Musik und enthält den vollständigen und von ihr selbst umgeschriebenen Aufsatz mit dem Titel ‚Die Aufgabe des Übersetzers‘ von Walter Benjamin, aus welchem sie Inspirationen zog.

Balázs Kovács // Lebt und arbeitet in Pécs. Bereits während seines Philosophiestudiums hat er sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit elektronischer Musik beschäftigt. Seitdem verwirklichte er zahlreiche Projekte mit Computerkünstlern, Musikern und Tänzern. Inzwischen betreibt er in Pécs einen privaten Rundfunksender mit dem Schwerpunkt auf experimenteller Musik und Klangkunst.
Als Klangkünstler arbeitet Balázs Kovács alias XRrc solo und in zahlreichen Projekten mit Computerkünstlern, Musikern und Tänzern. Außerdem betreibt er einen privaten Rundfunksender (http://kbalazs.periszkopradio.hu) mit dem Schwerpunkt auf experimenteller Musik und Klangkunst. Kovacs stammt aus Pec, der ungarischen Kulturhauptstadt Europas 2010.
Balazs Kovacs beschäftigt sich seit 1996 mit elektro-akustischen Improvisationsformen – er erforscht dabei die Möglichkeiten, gleichzeitig zu komponieren und aufzuführen. Meistens handelt es sich um Geräuschexperimente, wobei er die Harmonie in der Dissonanz sucht. Seine Improvisation mit analogen Klangeffekten und dem Mischpult als Instrument versprechen eine ungewöhnliche, spannungsgeladene und aufregende Auseinandersetzung mit Klang und Form.

MARSEN JULES  (Martin Juhls) ist ein deutscher Musiker, DJ und Labeltreiber. Seine Veröffentlichungen als Musiker unter seinem bürgerlichen Namen und den Pseudonymen Falter, Krill.Minima, Marsen Jules und Wildach Sonnerkraut umfassen zahlreiche Spielarten der elektronischen Musik, von Ambient über Dub-Techno bis zu Minimal House.
Juhls begann noch in seiner Heimatstadt Lünen mit dem DJing und hatte im Lüner Kultur- und Aktionszentrum Lükaz eine Veranstaltungsreihe namens „Electric Café“.
Seit dem Jahr 2000 arbeitete Juhls in der Programm- und Produktionsleitung des Dortmunder Club Cosmotopia. Im Jahr 2002 erschien mit der „Taumelflug EP“ seine erste MP3-Veröffentlichung beim Frankfurter Netlabel Thinner. Von 2003 bis 2006 war Juhls als Co-Organisator für das Label tätig.
Bereits 2003 erschien unter dem Pseudonym Marsen Jules mit „Lazy Sunday Funerals“ sein erstes Album beim Thinner-Sublabel Autoplate. Die Mehrzahl seiner Veröffentlichungen erschien in der Folge unter der Creative-Commons-Lizenz, die Juhls für einen sehr zeitgemäßen Weg der Lizenzierung von Musik hält. Es folgten weitere Veröffentlichungen auf verschiedenen Labeln, darunter die Alben „Herbstlaub“ (2005) und „Les Fleur“ (2006) auf dem deutsch-britischen Electronica-Label City Centre Offices.
Im Jahr 2007 war Juhls für das deutsche Goethe-Institut als Kulturbotschafter tätig. In Estland präsentierte er mit dem Techno-DJ Riley Reinhold „Electronische Musik aus Nordrhein-Westfalen“.
2007 und 2009 wurde je eines seiner Marsen-Jules-Stücke für die renommierte Pop Ambient-Kompilation des Kölner Labels Kompakt ausgewählt.
Seit 2009 betreibt Juhls mit „Oktaf“ sein eigenes Label. Erste Veröffentlichung war das Marsen-Jules-Album „Yara“.
Gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern Anwar Alam und Jan-Phillip Alam an der Geige und am Klavier tritt Juhls seit 2011 als Marsen Jules Trio auf, dass live eine Mischung aus Ambient und klassischer Musik präsentiert. Im Februar 2011 erschien mit „Les Fleurs Variations“ die erste Veröffentlichung des Marsen Jules Trios.

BLOORT (BLOMANN/ ORTMANN)

Reflect Your Future
Die Performance von Karl-Heinz Blomann und Richard Ortmann thematisiert den Wandel von der Materialität zur Virtualität. Dieser zeigt sich in der Welt von Bild und Ton als Ablösung des Analogen hin zum Digitalen und im Ruhrgebiet als Transformation der Arbeitsfelder in Bergbau und Stahlerzeugung hin zu den sog. Creative Industries und dem Dienstleistungssektor.
Die Künstler machen diese parallelen Entwicklungen zum Gegenstand ihrer Performance. Sie setzen die Ablösung analoger Klänge zu virtuellen Sounds in Beziehung zu historischen Markern der Kohleförderung im Ruhrgebiet und nehmen die akustischen Zeugnisse und Materialien aus der Geschichte des Ruhrbergbaus, um Vergangenheit und Zukunft von Analogem und Digitalem akustisch erfahrbar zu machen.
Mit Original-Klängen und zeitgeschichtlichen O-Tönen aus diversen Archiven erzeugen Blomann und Ortmann in ihrer Performance durch elektronische Klangumformung live einen musikalisch-akustischen/akusmatischen Stream in die virtuelle Welt – eine Reise in die offene Zukunft.
Bios/Vitae:
Karl-Heinz Blomann lebt in Essen u. Berlin. Musiker, Komponist und Produzent für Neue, Experimentelle und Filmmusik. 1983 Gründung Musikverlag „AufRuhr Records“. Veröffentlichungen mit unterschiedlichen Künstlern. Tourneen mit „PÖHL MUSIK“ durch Süd-Amerika, Europa, Next Wave Festival New York 1989. Zahlreiche Hörspielproduktionen, Theater- und Filmmusiken. DGB Kulturpreis für „Klangskulpturen“. Arbeitet in unterschiedlichen Zusammenhängen mit immer neuen Konzepten an Themen wie Kunst und Technik, Mensch und Maschine und urbanen Klangräumen.
Künstlerische Leitung „festival-open-systems“ 1997-2005 (www.festival-open-systems.de). Projekte (Auswahl): CD „Klangräume“ 1991, „Mécanique Mon Amour“ 1993, Buch „Hören eine vernachlässigte Kunst“ mit CD „Vom Aufstand des Ohrs“ 1996, CD-ROM „Aspects of Law and Order“ 1997. Uraufführung „Chase“ 2000. Fernsehmusiken für ZDF und arte (www.christmedia.de). „ohne worte“ WDR 3 Studio Akustische Kunst. „gone-urban flashback“ 2003, “headlines” 2004, “>>salon moz::ART<<” 2004, “Two Soldiers” 2004, Der Dritte Hammerschlag“ WDR 3 Studio Akustische Kunst 2006. EBU Projekt – Art’s Birthday: Komposition und Performance „Sometimes Pumpstation“, 2007, (weltweite Satellitenübertragung) und das Projekt „upgrade“ 2006, 2008 u. 2010 (upgrade.festival-open-systems.de) gemeinsam mit Richard Ortmann. Entwicklung des Medienarchivs (www.emscherplayer.de) seit 2005. Das Projekt „FlussKlang:RiverSound“ 2008 und 2010 (www.riversound.de). Aktuelles Projekt „Reflect Your Future“ gemeinsam mit Richard Ortmann 2017. Künstlerische Leitung Festival „Blaues Rauschen“ gemeinsam mit Eckart Waage 2017.

Richard Ortmann lebt in Dortmund. Seit Anfang der 1980er Jahre dokumentiert Richard Ortmann als Grenzgänger zwischen improvisierter Musik und Neuer Musik die Klanglandschaft Ruhrgebiet. Auf Grundlage dieses Archivmaterials entstanden zahlreiche Hörwerke im Rahmen der Akustischen Kunst u.A. in der Reihe „Metropolis“ mit „Einmal Herne und zurück. Klanglandschaft Ruhrgebiet“, Redaktion: Klaus Schöning, damit auch vertreten auf der Compilation „River Run“; 1. Preis beim Geschichtswettbewerb des „Forum Geschichtskultur“ in der Sparte Audio; zahlreiche Klanginstallationen in den ständigen Ausstellungen der Ruhrgebietsmuseen, vom Ruhr Museum, über die DASA, die LWL˗Industriemuseen bis hin zu „Gerhard Mercator ˗ Schätze der Kosmographie“ im Kultur˗ und Stadthistorischen Museum der Stadt Duisburg; ab 2005 Erweiterung der Klangräume hin zu Oberschlesien ˗ Katowice und Zabze, Aufnahmen als Dokumentarist und Performances mit polnischen Künstler*innen als Saxophonist; erste „Klangbrücke“ zwischen Katowice und Katernberg zur Extraschicht 2006; EBU Projekt – Art’s Birthday: Komposition und Performance „Sometimes Pumpstation“, 2007, (weltweite Satellitenübertragung) und das Projekt upgrade 2006, 2008 u. 2010 (upgrade.festival-open-systems.de) gemeinsam mit Karl-Heinz Blomann. Aktuelles Projekt „Reflect Your Future“ gemeinsam mit Karl-Heinz Blomann 2017. Ansonsten ständig unterwegs mit Aufzeichnungsgerät und Saxophon. www.richard-ortmann.de

 

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