Atomic

Atomic-1024x608Mo., 01. Mai 2017

Einlass: 19.00 Uhr
Beginn: 20.00 Uhr
Eintritt: 15,00 Euro 

Reihe: Creative Jazz / Improvisierte Musik

ATOMIC 

Fredrik Ljungkvist – reeds
Magnus Broo – trumpet
Håvard Wiik – piano
Hans Hulbækmo – drums
Ingebrigt Håker Flaten – bass

Der Kritiker François Couture betrachtet die Gründung von Atomic als Reaktion auf den (ironisch als Mountain Jazz bezeichneten) ECM-Stil im Modern Jazz, mit dem oft der skandinavische Jazz für viele Hörer gleichgesetzt würde. Die „Free Jazz Supergroup“ vereint Musiker aus den bekannten schwedischen Formationen Fire House und der Fredrik Norén Band, wie den Trompeter Magnus Broo und den Saxophonisten Fredrik Ljungkvist, der auch einen beachtlichen Teil des Repertoires der Band komponiert; die Rhythmusgruppe kommt von der Band Element, nämlich der Pianist Håvard Wiik, der Bassist Ingebrigt Håker Flaten und 13 Jahre lang der Schlagzeuger Paal Nilssen-Love, dem Mitte 2014 Hans Hulbækmo nachgefolgt ist.

Im Gegensatz zum ECM-Klang vieler skandinavischer Gruppen bezieht Atomic ihren Einfluss aus der US-amerikanischen Vorbildern der Free-Jazz-Bewegung der 60er Jahre, wie etwa Archie Shepps Album Fire Music, Charles Mingus, George Russell, Albert Ayler, Ornette Coleman und die Musik der europäischen Szene der Neue Improvisationsmusik, wie Peter Brötzmanns Machine Gun von 1968. Atomic steht auch der Musik von Ken Vandermark nah, mit dem Musiker der Band häufig zusammengearbeitet haben.

Broo und Ljungkvist hatten seit den 1990er Jahren in Stockholm miteinander gearbeitet; in Oslo hatten Wiik, Håker Flaten und Nilssen-Love 1994/95 am Trondheimer Musik-Konservatorium studiert und dort die von John Coltranes Musik inspirierte Band Element gegründet. Ende der 1990er Jahre arbeiteten alle fünf Musiker häufig in skandinavischen Clubs und auf Jazzfestivals miteinander. Daraus entstand im Frühjahr 1999 die Entscheidung zur Gründung von Atomic.

Im August 2000 stellten sie sich auf dem Oslo Jazzfestival vor. Nach François Couture verbinden sich in deren Spiel Brötzmanns energiegeladenes Spiel mit flexiblen kompositorischen Strukturen, was schnell die Identität der Gruppe bildete und sie bei zahlreichen Festival-Auftritten in Skandinavien und dem restlichen Europa bekannt machten, etwa auf dem Edinburgh Jazz & Blues Festival. Für das Label Jazzland Records entstand dann Anfang 2001 das erste Album der Gruppe, Feet Music; der Titel bezieht sich auf eine Ornette-Coleman-Komposition. 2004 erschien ein Dreifach-Album mit Live-Mitschnitten aus Norwegen zum Abschluss einer ausgedehnten Europa- und USA-Tournee (The Bikini-Tapes).

Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat das skandinavische Ensemble Atomic weit verbreiteten Beifall für die Schaffung eines völlig einzigartigen und identifizierbaren Klanges gesammelt, der die amerikanischen und europäischen freien Jazz-Traditionen nahtlos zusammenführt. Sie sind gleichermaßen der Musik von Archie Shepp und Derek Bailey verpflichtet und verwenden diese Traditionen als Inspirationsquellen und nicht als Beschränkungen ihrer Kreativität. Die Kompositionen von Håvard Wiik und Fredrik Ljungkvist sind typisch Atomic: Nachdenklich aufgebaute Melodien wechseln sich mit explosiven Passagen durch schnelle, unerwartete Veränderungen ab.