SIMO

Datum: 16. April 2016
Einlass: 19.00 Uhr
Beginn: 20.00 Uhr
Eintritt: 10,00 Euro

Reihe: Gesprächskonzert / Radiokonzert Psychedelic / Sixties

J.D. Simo – vocals, guitar
Elad Shapiro
– bass
Adam Abrashoff
– drums

SIMO_(by_Ed_Rode)

„Stranger Blues“ ist nicht nur der Opener des neuen, pulsierenden Albums „Let Love Show The Way“ des Powertrios SIMO aus Nashville, Tennessee. Der Song ist eine Blaupause der Kombination aus improvisiertem Jazz, bodenständigem Blues und klassischem R’n‘B und belebt auch die psychedelische British Invasion und den ländlichen Southern Rock neu. Die nebelgetränkten Sümpfe und Baumwollfelder der Südstaaten bilden die perfekte Kulisse dafür. Auch der Rest des Albums folgt diesem Beispiel und wirkt wie ein frisiertes Auto, das die Band auf eine zutiefst befriedigende, spontane musikalische Reise mit sich nimmt.

Da SIMO alle Songs von „Let Love Show The Way“ inklusive Gesang und Soli in jeweils einem Take aufgenommen haben, wirken diese ursprünglich, glühend heiß und direkt. „Wir leben und sterben für den Take.“, sagt Sänger und Gitarrist JD Simo. „Wir bearbeiten nichts und wenn es doch einmal Overdubs gibt, sind sie minimal. Ich wollte einen unberührten und reinen Sound. Die Musik ist immer am harmonischsten, wenn eine Performance aufgenommen wurde. Das ist das, was wir lieben.“

Die Aufnahmen fanden in The Big House in Macon, Georgia statt. Dort lebten während ihrer Blütezeit in den späten 60er und frühen 70er Jahren die Mitglieder der Allman Brothers Band, heute beherbergt es ein Museum über sie und fungierte zum ersten Mal als Studio. Dabei gaben sich SIMO jedoch nicht nur der einzigartigen Geschichte und dem Geist der heiligen Hallen hin, sondern verwandelten sie in einen frischen und inspirierenden Ort.

Die besondere Chemie, die zwischen JD Simo, seinem langjährigen Schlagzeuger Adam Abrashoff und dem Bassisten Elad Shapiro herrscht, verbindet das Trio zu einem musikalischen Ganzen. JD spielt auf jedem einzelnen Song Duane Allmans 1957er Les Paul Gold Top, die auch schon auf den ersten beiden Alben der Allman Brothers Band zu hören ist, jener Gitarre, die schon das unvergessliche Riff zu Derek & The Dominos “Layla” lieferte. Und so reiht er sich neben Derek Trucks, Warren Haynes und Wilco’s Neils Cline in die Gruppe elitärer Künstler ein, denen die rare Ehre zuteil wurde, dieses Zauberinstrument in Händen halten zu dürfen.

„‚Let The Love Show The Way‘ ist definitiv ein magisches Album.“, führt JD weiter aus. „Der Vibe des Big House, Duanes Gitarre, all die Shows, die wir bislang gespielt haben, unsere Techniken, die wir auf Tour verfeinert haben, führten dazu. Es war eine Verkettung sehr glücklicher Umstände.“

Und so verwundert es nicht, dass das SIMOS neues Werk eigentlich gar so nicht geplant war. Als die Band nach Macon reiste, hatte sie ein komplett anderes Repertoire im Gepäck, das von der Mascot Label Group bereits abgenickt wurde und veröffentlicht werden sollte. Hier sollten nur ein paar Bonustracks für die Deluxe Edition des Albums entstehen. Doch als die Band mit Toningenieur Nick Worley, der lediglich mit einem mobilen Mischpult ohne jegliche Effekte ausgestattet war, vor den Reglern stand, sprang der Funke des Hauses über und brannte mehr als ein Dutzend Tracks in weniger als 48 Stunden darin ein. Sobald sie die rohe und elektrifizierende Intensität des Mixes gehört hatten, dachten SIMO nicht zweimal darüber nach, die ursprünglichen Songs links liegen zu lassen und mit dem weiterzumachen, was sich plötzlich so richtig anfühlte.

“Als Produzent hätte ich selbst nicht mehr in den Spiegel sehen können, wenn wir diese Songs nicht genommen hätten.”, erklärt JD. “Es fühlte und hörte sich besser an als alles, was die Band je zuvor gespielt hatte. Also beschlossen wir, das ursprüngliche Material zu verwerfen und uns nur noch auf das zu konzentrieren, was wir im Big House aufgenommen hatten.”

Das Album an diesem geschichtsträchtigen Ort aufzunehmen ist gleichzeitig eine Hommage an die musikalischen Pioniere, die JD Zeit seines Lebens verehrt hat. Mit nur drei Jahren sah er zum ersten Mal The Blues Brothers sowie das Elvis ‘68 Comeback im Fernsehen und war wie gelähmt. „The Blues Brothers haben mein Leben verändert.“, erzählt er. „Ich hörte John Lee Hooker gemeinsam mit der Band von Muddy Waters spielen, Aretha Franklin, Ray Charles, James Brown, Chaka Kahn – deren „Rags To Riches“ bis heute eines meiner Lieblingsalben ist. Nicht zu vergessen die größten R’nB-Musiker, die die Welt je gesehen hat: Matt „Guitar“ Murphy von Chess, das unglaubliche Bläserensemble von Saturday Night Live, Willie Hall von Stax gemeinsam mit Isaac Hayes. Natürlich ist es eine lustige Komödie, doch als ich die Musik hörte, wollte ich Steve Cropper und John Lee Hooker zugleich sein.

Ebenso ging es mir mit dem Elvis Special: er sah in diesem schwarzen Lederanzug immer noch unglaublich gut aus und wickelte mit seinem Charme und Gesang die Leute um den Finger. Nachdem ich diese beiden Filme gesehen hatte, wollte ich Musik machen.“

Also bettelte er unnachgiebig seine Eltern um eine Gitarre an, die dem damals Fünfjährigen diesen Wunsch schließlich erfüllten. Mit zehn spielte er, genau wie seine Kollegen Derek Trucks und Joe Bonamassa, bereits regelmäßig in Bars und wurde dabei von älteren Musikern unterstützt. Mit 15 verließ er die Schule, stellte eine Band zusammen und tourte Vollzeit. „Sechs Jahre lang lebte ich ausschließlich in einem Van und spielte Shows im ganzen Land. Ich hatte nie ein wirkliches Zuhause.“

2010 zog JD als 21-Jähriger nach Nashville, wo er nach einer halben Dekade als Sessiongitarrist schließlich eine wichtige Entscheidung traf. Obwohl er als Sideman viele Erfahrungen gesammelt hatte, war es nun an der Zeit, seiner eigenen Muse zu folgen. Er traf auf den gleichgesinnten Adam Abrashoff und den ursprünglichen Bassisten Frank Swart und gründete mit ihnen SIMO. Swart verließ die Band Anfang 2015 und wurde durch Elad Shapiro ersetzt. „Als wir begannen, mit ihm zu spielen, war es so direkt und gleichzeitig vertraut. Es fühlte sich an wie „Wo zum Teufel bist Du nur gewesen?““, schwärmt der Sänger.

JD fühlt sich in seiner Rolle als Bandleader sehr wohl, obwohl er nie ein Solokünstler sein wollte. „Eine Band ist etwas sehr Einzigartiges und Spezielles.“, führt er aus. „Du bist immer nur so gut wie die Leute, die Dich umgeben. Adam ist einer meiner besten Freunde. Wir haben die gesamte bisherige Reise von SIMO gemeinsam bestritten. Elad hat die Band auf ein neues Level gehoben. Wir sind jetzt nicht nur ein Team, wir sind Brüder.“

Dieses Gefühl von Gemeinsamkeit spiegelt sich nicht nur im Songwriting, sondern auch bei den Shows wider. Das Trio steht in einer Reihe auf der Bühne, niemand hat mehr Gewicht als der andere. „Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie sehr ich diese Jungs liebe und was sie zu unserem Sound beitragen.“, betont JD. „Adam ist ein Meister der Improvisation und technisch der beste Musiker der Band. Ich habe hunderte von Shows mit ihm gespielt und ich weiß immer noch nicht, was er als nächstes tun wird. Das ist sehr inspirierend. Elad hingegen vervollständigt meine musikalischen Gedanken. Er ist voller Leidenschaft, Enthusiasmus und Authentizität. Er ist sozial und musikalisch völlig ungefiltert. Ersteres ist absolut köstlich, Zweites unglaublich. In vielen Aspekten ist er das Herz und die Seele der Band.“

Zusammen sind sie eine verwegene Rock & Roll-Dreifaltigkeit, deren blühende Kreativität von JDs flammendem Gitarrenspiel und gefühlvollen Gesang komplettiert wird. „Let Love Show The Way“ ist ein bahnbrechendes Album einer Band inmitten eines evolutionären Durchbruchs.

„Ich bin ein Fremder hier“, bellt JD auf dem geheimnisvollen und rauchigen Opener. Doch mit einer Band mit solch einprägsamen Songs, einer so ungewöhnlich engen Beziehung und einem so großen musikalischen Talent kann er sich sicher sein, dass er bald überall auf der Welt bekannt und willkommen sein wird.